Über neun Wochen veröffentlicht Der Standard eine Artikelserie rund um das Thema “Unternehmen der nächsten Generation”.

Autoren: Michael Bartz, Andreas Gnesda und Thomas Schmutzer

Den sechsten Artikel Kultur im Unternehmen der nächsten Generation finden Sie hier.

Quelle: Der Standard (Sa. 04.02.2017)

Nachstehend die ungekürzte Fassung des sechsten Artikels der Serie:

Kultur im Unternehmen der nächsten Generation

Kultur ist ein Schwerpunkt im Altas des neuen Arbeitens. Das St. Gallner Management-Modell sieht drei Ordnungsmomente vor: Strategie, Struktur und Kultur. Ordnungsmomente sind dazu da, das unternehmerische Alltagsleben auszurichten und Sinn zu geben, sie bilden den Rahmen für das tägliche Geschehen. Im Kontext von Arbeitswelten stellen wir uns immer die Henne-Ei Frage. Ist Arbeitswelt der Ausdruck von Unternehmenskultur oder schafft Arbeitswelt erst Unternehmenskultur? Eine Fragestellung  die sich in jedem „neue Arbeitswelt Projekt“ stellt. Kultur und Arbeitswelt sind jedenfalls und unweigerlich eng miteinander verbunden. Vergleichbar mit dem sichtbaren Teil eines Eisberges sind Arbeitswelten, Arbeitsplatz- und Bürokonzepte starke Ausdrucksformen von Kultur. Neben der in Hardware gegossenen Kultur artikuliert sie sich am stärksten im Verhalten der Mitarbeiter. Corporate Behavior und Corporate Communication bilden das Verhalten ab und das soll und muss sich mit „neue Arbeitswelt Projekten“ jedenfalls ändern. Diesen Anspruch haben die Auftraggeber. Das Verhalten resultiert aber vielmehr aus der Haltung, der Einstellung des Unternehmens, der Unternehmensführung und der Mitarbeiter, dem unsichtbaren Teil des Eisberges. Haltung und Einstellung kommen aus den Unternehmenswerten, den Werten der Unternehmensführung und den Werten der Mitarbeiter, die im Idealfall möglichst ident sind.

Jetzt sind wir am Kern der Kultur. Kultur beginnt mit der Identifikation von Werten. Das sind meist nicht die Werte, die in den Hochglanzbroschüren stehen. Häufig gibt es da unterschiedliche Auffassungen zwischen Unternehmern, Führungskräften und Mitarbeitern. Eine möglichst homogene Wertebasis bildet das kulturelle Fundament jedes Unternehmens, das sich in Einstellung und Haltung artikuliert. Das macht ein Unternehmen einzigartig und wertvoll. Die wertvolle Haltung findet ihre Umsetzung im täglichen Geschäftsleben auf drei Ebenen. Ebene eins ist die Wertschätzung, darunter verstehen wir die respektvolle und entgegenkommende Beziehung zu Mitarbeitern, Führungskräften, Kunden und Geschäftspartnern oder auch der schonende Umgang mit Ressourcen. Ebene zwei ist die Wertschöpfung, die sich aus der Unternehmensleistung ergibt. Die dritte Ebene bezeichnen wir als Werthaltigkeit, sie gibt dem Unternehmen Klarheit, Bestimmtheit und starke Wahrnehmung im innen wie im außen.

Der stark wahrnehmbare Trend zu neuen Arbeitswelten ist die Folge aus einer tiefen Sehnsucht von Mitarbeitern, Führungskräften und Unternehmern nach sinnerfüllenderen Arbeitswelten. Menschen wollen Beruf wieder viel mehr als Berufung erleben, sich in ihrem Tun verwirklichen und Anerkennung dafür bekommen. Unternehmen sind Orte der Verbundenheit, der Gemeinschaft in einer sonst stark medial geprägten Beziehungswelt. In Unternehmen wie TELE Haase spiegelt sich das in einem eigenen Organisationsmodell, das die Selbstorganisation und das WIR in den Vordergrund stellt. Karl-Heinz Strauss, CEO der PORR sagt „Die neue Arbeitswelt der PORR hat das Wir-Gefühl stärker geprägt als alle Maßnahmen zuvor.“ Das IMC FH Krems hinterlegt diese Aussagen mit eindeutigen Ergebnissen gesteigerter Produktivität. Arbeitswelt ist gebaute und gelebte Kultur.

Erfahrungsberichte von Unternehmen, die Schritte in ganz neue Richtungen gewagt haben, wurden von Springer in dem brandneuen Buch dem Titel „Unternehmen der nächsten Generation“ zusammengefasst (ISBN 978-3-662-52818-1). Ausführliche Informationen zum Buch sind online verfügbar: Springer